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Eselsweg | 111 km – 2.100 hm

Eine Biketour von Schlüchtern nach Großheubach

Er zählt zu den Altstraßen, die über 20 Jahrhunderte lang große Bedeutung hatten. Keltische Krieger und römische Kaufleute, kaiserliche Kuriere, Bischöfe, Grafen und Ritter waren auf ihm in grauer Vorzeit ebenso unterwegs wie arme Bauern und ehrbare Glasmacher. Berühmt gemacht haben ihn jedoch die Orber Salzkarawanen, die mit ihren, mit schweren Salzsäcken beladenen Eseln hier einst entlang zogen und diesem Weg seinen noch heute geläufigen Namen gaben.

Der Spessartbund hat diesen historischen Weg vermessen und mit einem schwarzen E auf weißem Grund neu markiert. Durch diverse Begradigungen ergab sich eine Gesamtlänge von 111 Kilometern. Fast ausschließlich durch dichten Laubwald, ohne Täler und kaum Ortschaften zu berühren, zieht dieser Weg stets in einer Höhe von 400 bis 500 Metern von Schlüchtern im Nordwesten quer durch den Spessart bis nach Großheubach am Main im Südwesten.

Ein paar Bilder vorab? Klick hier aufs Fotoalbum:
Hier die Streckenabschnitte:

Schlüchtern – Bellings – Seidenroth – Merneser Heiligen – Mernes – Lettgenbrunn – Flörsbach – Wissbütt – Dr. Kihn Platz – Waldhaus Engländer – Parkplatz Hirschhörner – Schwarzkopf – Bösbornkopf – Parkplatz Sieben Wege – Weibersbrunn – Echterspfahl – Schweinfurter Kreuz – Hundsrückhof – Wildensee – Signalbuche – Geiersberg – Kloster Engelberg – Großheubach

 Anfahrt & Parkmöglichkeiten

Ausgangspunkt des Eselsweges ist der Bahnhof in Schlüchtern. Neben Bus – und Bahnanschluss ist die Kleinstadt auch über die A 66 von Frankfurt nach Fulda zu erreichen. Also gibt es die Möglichkeit mit dem Zug anzureisen, oder man macht es wie wir, wir lassen uns die 90 km mit dem Auto hinbringen 😉

Technische Tourdaten

Tourenlänge: etwa 111 Kilometer.
Höhenunterschiede: Insgesamt etwa 2.100 hm.
Wegmarkierung: Schwarzes E auf weißem Grund. Der Eselsweg ist wirklich einer der top ausgeschildertsten Wanderwege. Aber Achtung, ab & zu geht es direkt von einem Hauptweg in einen kleinen Pfad oder Trail, also immer Augen auf !

Unser Fahrbericht

Heute geht es los – wir wollen den Eselsweg bezwingen. Wir, das sind Jürgen, Martin, Alfred und ich. Es ist 6:00 Uhr und ich schau aus dem Fenster. Kein Regen – kann es denn möglich sein? Seit mehreren Tagen regnet es und für heute ist eigentlich Dauerregen und Tiefsttemperaturen vorhergesagt. Ich esse gemütlich mein Müsli und trinke meinen Espresso, fülle die Trinkflasche und packe meine 7 Sachen zusammen. Zum Test für meinen im Sommer geplanten Alpencross habe ich den Rucksack mit ca. 6 kg bepackt, die Digitalen Spiegelreflex in die Lenkertasche und ab in die Garage.

Ihr werdet es nicht glauben, kaum hatte ich mein Bike in der Hand fing es aus allen Wolken an zu schütten – toll! Na egal – ab zum Treffpunkt, um 6:30 Uhr war Abfahrt. Peter hat sich dankender weise bereit erklärt, mit seinem Bus unsere Bikes nach Schlüchtern zu transportieren, Jürgens Frau Sonja lud noch Alfred & Martin mit ins Auto und ab ging die Fahrt. (Danke nochmals an Sonja & Peter).

Die 90 km auf der Autobahn ließen alle Hoffnungen schwinden, dass es heute irgendwie nochmals aufhören könnte zu regnen. Dicke, dunkle mit Wasser gefüllte Wolken bis nach Schlüchtern. Endlich angekommen luden wir unter strömenden Regen die Bikes aus, machten uns mit Regenhosen, Überschuhen & Jacken fertig – nur noch ein erstes Gruppenbild und ab ging die Reise ins Ungewisse…

Ich schaute auf meinen Biketacho und wusste, warum uns nicht richtig warm wurde – 8 Grad – und das Ende Mai! Vom Bahnhof aus ging’s durch Schlüchtern und auf der gegenüberliegenden Seite kam der erste, aber gewaltige Anstieg. Diese Rampe hatte immerhin 13,5 % Steigung und brachte uns schon mal anständig zum Schwitzen. Weiter durch Felder & Wiesen, immer den Regen im Gesicht bekamen wir so langsam Rhythmus in die Gruppe. Ich glaube, die Kälte machte keinem mehr was aus, vielmehr kämpften wir mit der Wegbeschaffenheit. Man kann sich gut vorstellen, wie ein Lehmboden nach Dauerregen aussieht – tiefe Furchen, Matsch und große Pfützen übersäten die Waldwege. Besonders die kleinen Singeltrails mit erhöhtem Wurzelanteil waren “nicht von schlechten Eltern” und bedarf unsere vollste Konzentration.

Nach ca. 60 Km und 1300 Höhenmeter hatten wir den Engländer erreicht, die Hälfte des Eselsweges. Der Regen höre immer öfter mal auf, doch der Wind wehte die Nässe von den Blättern. Unsere Überschuhe waren total verdreckt und natürlich: nicht mehr wasserdicht. Das Tragen des Rucksackes machte mir keine größeren Probleme, aber am Berg und auf tiefem Boden meint man schon, es würde jemand von hinten ziehen – es kostete auf jeden Fall ne Menge Kraft mehr als ohne zu fahren.

Irgend etwas fing an, an meinem Bike zu Schleifen, doch diverse Sichtkontakte konnten nix 100%iges ausfindig machen – bis nach ein paar Km meine Hinterradbremse nicht mehr ging – da wusste ich, was es war – die Beläge waren verschlissen. Ich hatte keinen Ersatz, also galt ab sofort nur noch die Vorderradbremse zu benutzen, ungewohnt aber einigermaßen machbar.

Wir hatten uns als Essensstation die Gaststätte am Echterspfahl ausgesucht. Von dort aus waren es dann nur noch ca. 40 km. Erst mal die dreckigen Klamotten ausgezogen und mit Mühe und Not noch einen Platz ergattert. Die Wirtsleute erwarteten einen Bus voller angemeldeter Gäste und hatten anscheinen mit unserem jämmerlichen Auftreten doch irgendwie Mitleid und wir bekamen einen Platz. Kurz & Schmerzlos ging die Bestellung: 4 x Leberknödelsuppe & 4 x Spargel und Kartoffel mit Schinken. Schön ging die Tür auf und die Nächsten wollten Speisen, wurden aber dezent aus vorher genanntem Grund abgewiesen – hatten wir ein Glück.

Frisch gestärkt (nach einem weiteren Espresso & einem Stück Kuchen) zogen wir uns wieder an und machten uns auf den Rest der Tour – natürlich – im Regen. Die letzten 40 km mit “nur” 500 Höhenmeter zerrten nochmals richtig an den Kräften, denn das laufende Hoch & Runter macht einem irgendwann zu schaffen und zieht die letzten Körner aus den Beinen. Vorbei am Parkplatz in Wildensee fängt mein Bike auf einmal an zu eiern – einen Plattfuß am Vorderreifen. Schnell einen Schlauch eingezogen und weiter ging die Fahrt. Jetzt, dem Kloster Engelburg immer näher kommend, kamen die Downhill Höhepunkte des Tages. Leider konnte ich nur mit 1/2 Kraft, denn nur mit der Vorderradbremse macht es nicht wirklich richtig Spaß und ganz ungefährlicher war es ja auch nicht – also lieber heil ankommen dafür etwas langsamer. Alle sind diese tollen Downhills ohne Probleme herunter gekommen und schließlich standen wir am Ziel: Kloster Engelburg. Schnell noch an Finisher-Foto und ab hinunter nach Großheubach. Martin hatte noch das Pech, sich in der letzten Kurve einen Platten zu holen. Wir trennten uns, denn Alfred & Martin wohnen nicht allzu weit weg von hier und wollten den Rest nach Hause biken. Jürgen & ich telefonierten mit unseren Frauen und wurden dann in der Ortsmitte Großheubachs so gegen 20:00 Uhr abgeholt.

Schlusswort

Durch ständiges hoch und runter, rechts und links macht der Eselsweg auf seinen 111 km einem das Leben nicht einfach, vor allem, wenn er in einem Tag bezwungen werden will. Dafür entschädigt er durch tolle Singeltrails, Waldwege und man bekommt einen wunderbaren Eindruck vom Spessart. Wir haben ihn auch schon auf 2 Etappen gefahren – Übernachtung war damals in der nähe des Engländer. Das ist genau die Hälfte der Tour und in einem Tag locker zu schaffen. Ich persönlich bin jetzt den Eselsweg zum 2. mal “am Stück” gefahren und finde in immer wieder toll und eine Herausforderung – besonders bei Regen.

Lade dir die GPS-Daten auf der Downloadseite herunter


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