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R-Weg 125 km – 2.400 hm

Eine Biketour von Hofstetten nach Lohr

Es ist Samstagabend, Jürgen & ich  lassen uns gerade ein zartes Steak schmecken, da keimt kurzfristig ein  Gedanke auf: Wir könnten doch morgen  mal den R-Weg in Angriff nehmen. Der Wetterfrosch sagt sonniges, aber  heißes Wetter voraus, theoretisch also beste Bedingungen.

Etwa 150 km lang führt der Maintalhöhenringweg um den Spessart, beginnend von Aschaffenburg bis er in Gemünden endet. Der Wanderweg ist mit einem schwarzen „R“ auf weißem Grund markiert und wird deshalb auch R-Weg genannt. Hier empfiehlt sich dennoch ein GPS Gerät, denn wir hatten des öfteren Probleme, das Wanderzeichen zu finden. Der R-Weg folgt weitestgehend dem Verlauf des Mains um das Mainviereck und ist nicht nur sehr abwechslungsreich, sondern teilweise auch wirklich sehr anspruchsvoll, wie sich später herausstellt.

Ein paar Bilder vorab? Klick hier aufs Fotoalbum:

Da dieser Fernwanderweg an Jürgens Wohnort Hofstetten vorbei läuft, stehe ich abfahrbereit am Sonntagmorgen um 8:15 Uhr bei ihm vor der Haustüre. Meine ersten 10 km von Sulzbach aus hätte ich somit heute schon in der Tasche. Es ist ein sehr schwüler Tag und so wird es bis zum bitteren Ende bleiben. Unser Plan für heute: Dem R-Weg folgen, wenn möglich, bis nach Gemünden. Schaun wir mal, wie weit wir kommen, mit dem Zug können wir dann ja jederzeit abbrechen und uns nach Aschaffenburg fahren lassen. Gesagt – getan. Bis nach Gemünden sollte wir aber nicht kommen. Dazu später mehr!

Viele Abschnitte, vor allem die knackigen Trails zu Beginn, kennen wir schon. Dieser Teil des Spessarts ist unser heimatliches Bikerevier. Aber dennoch, ab & zu werden auch wir von einem harten Aufstieg oder coolen neuen Trail überrascht. Weiter geht es hoch über den Weinbergen von Klingenberg, vom Aussichtsturm am Wanderheim kann man einen grandiosen Ausblick ins Maintal genießen. Vom Kloster Engelberg biken wir zunächst um den Rühlesberg und oberhalb der alten Sandsteinbrüche entlang. An der Sohlhöhe kommt vom Norden her der Eselsweg und streift unsere Tour. Der Maintalhöhenringweg führt uns wieder talwärts, weiterhin durch schönen Wald, tolle Trails und erstklassige Wege bis zur Ruine Kollenberg.

Je weiter wir von zuhause entfernt sind, desto unbekannter wird alles. Aber gerade das macht ja den Reiz aus. Die Wege wechseln ständig ab: knackige Anstiege auf Schotter, trailige Abfahrten, kaum Asphalt oder andere Strassen. Schweiß tropft auf das Rahmenoberrohr. Unsere Trikots sind durchnässt, obwohl es nicht regnet. Es ist 10:00 Uhr und das Thermometer zeigt jetzt schon schwüle 28 Grad.

In der ersten Hälfte des gesamten Weges ist die Auszeichnung sehr gut, nur selten suchen wir das „R“. Zu beginn einer Schotterabfahrt lässt man das Rad laufen und schon hat man es übersehen, das Zeichen schickt uns in einen kleinen, unvorhergesehenen Trail. Volle Konzentration, mit Speed und höllischem Spaß, so meisten wie viele kleine Trails. Mache gehen auch seeehr steil bergauf, Fahren zwecklos. Super Alpencrosstraining, also schieben wir die Bikes. Manchmal nur 50m, dann aber auch mal ein längeres Stück. Umgefallene, aber schon sehr dürre Bäume versperren uns in einem Anschnitt den Weg, dann schieben wir halt ca. 500 m, macht nix. Immer wieder treffen wir auf tolle, sonnendurchflutete Trails, enge Wanderwege, teils schon halb zugewachsen … biken macht einfach nur Spass!

Übrigens, Obwohl wir sonntags haben, Wandere kommen uns kaum entgegen. Entweder ist denen zu heiß oder die laufen wo anders, aber egal, umso besser für uns. Teilweise gehen Trails durch Brennesel oder Brombeersträucher, die schon lange keine Menschen mehr gesehen hatten. Dementsprechend sehen jetzt unsere Beine aus. Verkratzt und es juckt, in Verbindung mit Schweiß, höllisch.

Immer wieder machen wir einen kurzen Stopp, denn ab und zu gleitet unser Blick über den Main, der sich seelenruhig durch die Landschaft schlängelt. Ein tolles und einprägsames Bild. Wir leben doch in einer super Bikeregion.

Collenberg erreichend machen wir halt an einer Tankstelle, gönnen uns eine Cola und lecker Eis, bevor es wieder heißt, den nächsten Gipfel zu erklimmen. Weitestgehend an den steilen Hängen hoch über dem Maintal, mit einigen herrlichen Aussichtspunkten gespickt, ist es eine Tour die uns in die Schönheit der Natur entführt. Auf herrlichen Wegen, teilweise engen Wurzelpassagen & Trails, werden wir an den Steilhängen entlang geführt.

Das ständige hoch und runter macht schlapp. Man glaubt schon hunderte km gefahren zu sein, doch ein Blick auf den Tacho bringt uns schon wieder auf den Boden der Tatsachen. In Hassloch überqueren wir eine kleine Brücke und unsere Augen sichten einen kleinen Fluss, der Einstieg flach genug um sich herrlich zu erfrischen. Schnell sind Schuhe, Socken und Trikot aus und beide Beine stehen inmitten des Flussbettes. Eine Wohltat bei den mittlerweile 33 Grad im Schatten!

Die Hitze wird unerträglich und es ist sehr schwül, dann schon über 2.000 hm in den Beinen. Der Körper lechzt nach Wasser und Abkühlung. Warmes Wasser haben wir, sehr fade, selbst die Geschmacksverstärker wirken nicht mehr. Wir können gar nicht soviel trinken & essen, wie der Körper scheinbar abverlangt. Erste kleine Krämpfe in den Beinen signalisieren uns, langsamer zu machen. Aber schnell waren wir sowieso nicht. Jede Muskelfaser muss animiert werden, weitere Höchstleistungen zu bringen. Nix ist trocken, selbst die Socken sind total nass geschwitzt. Der Aufgabepunkt ist fast erreicht. Aber aus vergangen Touren wissen wir, dass es keine Zugverbindung in Marktheidenfeld gibt. Es bleibt uns also nichts anderes übrig, als weiter bis nach Lohr zu biken. Zuvor lassen wir uns 2 kühle alkoholfreie Weizen schmecken …

Von Wertheim nach Marktheidenfeld geht es teilweise recht unattraktiv weiter, denn der Weg berührt nach den tollen Eindrücken der letzten Stunden die lärmende Autobahn und führt uns inmitten der drückend heißen Sonne auf einer Landstrasse entlang. Von Marktheidenfeld bis nach Zimmern biken wir noch über die letzten Höhen auf einem tollen Weg mit abwechselndem Trail. Manchmal sehr steil, wieder die Bikes schieben, dann flowig mit ein paar Sprünge dazwischen. Aber unsere Beine wollen eigentlich nicht mehr. Die Anstiege werden zur Qual, die Abfahrten entschädigen uns aber und lassen es erträglich erscheinen. Oft ist weit & breit kein Wanderzeichen zu erblicken. Hier zahlt sich unser GPS aus, das uns zielsicher den Weg aufzeigt. Wir möchten nicht mit Landkarte unterwegs sein, denn ständig Karte rein & rausholen, das ist nix für uns. Außerdem sind wir Technik-Freaks und lassen uns vom GPS-Gerät gerne verwöhnen. Teilweise am Waldrand entlang ohne große relative Steigungen (zu Glück) fahren wir weiter, im Kopf nur ein einziges Ziel, Bahnhof Lohr. Am Mainufer entlang fahrend bleiben wir Zwischendurch an einem Biergarten stehen und gönnen uns nochmals eine eiskalte Cola. Leichte Schwindelgefühle überkommen mich, ich lege mich auf eine Bank in den Schatten und genieße kurz die Ruhe. Einen Riegel bekomme ich einfach nicht runter. Wir müssen weiter, denn sonst wird es zu spät. Der nächste Wegweiser am Radweg zeige es uns: Lohr 10 km…

20:10 Uhr erreichen wir den Bahnhof, 20:15 Uhr fährt unser Zug ab, 20:45 Uhr erreichen wir den Hauptbahnhof in Aschaffenburg. Jetzt nochmals 10 km für mich und 20 km für Jürgen mit dem Bike nach Hause radeln. Nach dieser kurzen Zugverschnaufspause zeigen sich unsere Körper wieder ein wenig erholt. Ein Blick auf unseren Tacho zeigt zum Schluss das Vollbrachte: 135 km & 2.400 hm!

Die Tour ist traumhaft schön, tolle Wege, viele Trails, aber sehr sehr anstrengend. Die Wege sind super fahrbar, bis auf ein paar kleine „Tragepassagen“. Aber Achtung: Bei schlechtem Wetter sind viele der Wege wahrscheinlich kaum fahrbar, besonders die Wiesen & Wurzelpassagen. Die ersten km von Aschaffenburg nach Hofstetten kennen wir schon, die sind genau so klasse. Das letzte Stück, von Lohr nach Gemünden können wir nur erahnen, denn auch der Spessartweg 1 führt entlang dieser Route. Bis auf die letzen 15 km Radweg vor Lohr und zwischen Wertheim nach Marktheidenfeld war es eine TOP Biketour und schreit geradezu nach einer Wiederholung. Diesesmal aber bei nicht ganz so heißem & schwülen Wetter…

Übrigens:
  • Aschaffenburg -> Hofstetten = ca. 20 km + 450 hm
  • Lohr -> Gemünden = ca. 20 km + 500 hm
  • Gesamt: ca. 165 km & 3.300 hm!

Lade dir die GPS-Daten auf der Downloadseite herunter


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