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Spessartweg 2 | 60 km – 1.700 hm

Eine Biketour von Heigenbrücken nach Stadtprozelten

Jetzt haben wir es auch geschafft, den Spessartweg 2 ab zufahren. Nachdem wir den Spessartweg 1 erfolgreich hinter uns gebracht haben, waren wir natürlich sehr gespannt, was uns erwartet!

Gestern Nacht hat es so richtig aus allen Wolken geschüttet. Heute morgen ist es sehr schwül, die Luftfeuchtigkeit sehr hoch und das Thermometer bleibt bei 33 Grad im Schatten stehen. Es wird also kein leichtes Unterfangen, den schon der Untertitel des Spessartweg 2 sagt vieles: “Über Berg und Tal zum Main”.

Ein paar Bilder vorab? Klick hier aufs Fotoalbum:
Tourbericht

Wir treffen wir uns um 8:30 Uhr bei mir und fahren erst einmal nach Aschaffenburg zum Hauptbahnhof. 4,05 € investieren wir in eine Zugkarte nach Heigenbrücken. Genau hier beginnt der Spessartweg 2. Gleich nach Ortsausgang von Heigenbrücken treffen wir auf einen tollen Singeltrail – leider lange bergauf. Der Weg ist manchmal sehr steil, wir müssten aufgrund des Bodenbelages nur einmal kurz schieben. Aber der Schweiß tropft auf den Rahmen. Es ist fast unerträglich Schwül. Jetzt geht es aber bergab, zunächst ein schöner Trail, dann erreichen wir den Pollasch, dem Ehrenmal des Spessartbundes. Von hier aus hat man einen herrlichen Blick ins Laufachtal und je nach Wetterlage bis nach Aschaffenburg. Jetzt geht’s weiter hinab ins Tal, zunächst auf einem verwachsenen Schotterweg, dann ein Stück Asphalt, bis wir in Hain angelangt sind. Hier biegen wir links auf die B26, die von hier aus hoch zu den “7 Wegen” führt. Unser Weg biegt nach dem Parkplatz links ab und es geht auf Erdwegen immer stetig bergauf.

Ein kurzer steiler Anstieg noch und wir gelangen zum Kreuzgrund, einem romantischen Einzelgehöft, das auf die Flößerei zurückzuführen ist. Das lädt doch förmlich zu einer kleinen Rast ein. Einige Fotos später verpassen wir fast den Einstieg in den nächsten Trail, der, wie soll es anders sein, wieder mal bergauf geht. Durch fast zugewachsene Wege versperrt mit Brombeeren & Brennnessel schlagen wir uns vorsichtig weiter in die Höhe. Man bekommt das Gefühl nicht los, dass hier kaum Wanderer, geschweige denn Biker, unterwegs sind. Uns ist auf der kompletten Strecke kein Biker & Wanderer begegnet. Aber wir haben ja auch Donnerstag, Mitten in der Woche und keinen Feiertag 😉

Nach einem herrlichen Pfad verläuft der Spessartweg 2 für ein Stück gemeinsam mit dem Spessartweg 1. Ein wirklich toller Trail immer am Waldrad entlang, da macht biken Spaß. Nach dem großartigen Ausblick über den Vorspessart geht es jetzt abwärts auf einem fast zugewachsenen Wiesenpfaden, durch eine Apfelplantage und zwischen Vorgärten hindurch, bis wir die Ortsmitte von Waldaschaff erreichen.

Es geht mal wieder aufwärts, Anfangs auf Asphalt, dann auf Schotter, weiter über eine Brück über die Autobahn A3. Der Weg steigt ständig, aber erträglich. Wir rollen hinunter zum Waldmichelbacher Hof, teils auf schönem Trail neben dem Hauptweg, dann auf Schotter. Diese Gaststätte ist ein beliebtes Ausflugsziel und man kann hier wirklich gut Essen. Aber dafür haben wir leider keine Zeit und wir machen uns auf zum nächsten Anstieg.

Nach diesem Uphill mitten im Wald wartet das Posthalterkreuz auf uns, ein etwa fünf Meter hohes Steinkreuz, um das sich einige Geschichten ranken:

So soll ein Posthalter hier, am gefürchtetsten Abschnitt der Strecke gar grässlich geflucht haben. Daraufhin scheuten die Pferde und preschten los. Und als ob dies nicht genug war, fielen auch noch Raben über den Posthalter und den vollbesetzten Wagen her. In seiner Not gelobte der Mann, hier ein Kreuz zu errichten, wenn die Vögel nur von ihm abließen – was sie dann auch taten.

Nun, ob sich die Geschichte wirklich so vorgetragen hat, wissen wir auch nicht, aber eines wissen und merken wir, es ist verdammt heiß. Unser Tacho zeigt 32 Grad im Schatten, in der Sonne schnellt er sogar hoch bis auf 43 Grad. Und es ist sehr schwühl. Selbst der Schatten des Waldes hilft nicht mehr. Aber wir wollen nicht jammern, immer noch besser so, als Regen & Gewitter wie in den vergangen Tagen.

Von nun an geht es ständig bergab, auf tollen Erdwegen, engen Singeltrails und Wiesenpfade. Wir bleiben stehen und erhaschen einen Blick auf den Pfaffenberg. Der neue Funkturm ragt schon empor, er wird ab September das Digitale Fernsehen in den Spessart transportieren. Der weißblaue Himmel, die saftig grünen Wiesen und Wälder lässt dieses Bild wie ein Gemälde aussehen.

Jetzt wird es auf einem kurzen Stück ernst, denn diesen Weg kennen wir. Wir befinden uns inmitten unseres heimatlichen Bikereviers. Der Spessartweg macht einen Linksknick und eine Rampe, bestehend aus einem ausgewaschenen Trail, liegt vor uns. Früher konnte man ihn noch komplett hochfahren, doch z.Z. sieht der Pfad aus, als würde man in einem kleinen Flussbett biken. Verblockt, ausgeschwemmte Locher und Rinnen und alles sehr feucht & rutschig. Die Hälfte packen wir, danach müssen wir Schieben. Am Ende des Weges ist ein kompletter Strommast durch einen umgestürzten Baum abgerissen und die Leitungen liegen Quer über unserem Weg. Erst mal vorsichtig, könnte ja sein, dass es erst vor kurzem passiert ist. Aber bei genauer Betrachtung stellen wir fest, alles bereits abgeklemmt.

Wir kommen auf die Anhöhe über Mespelbrunn-Hessenthal und an der Kapelle „Unser Herren Bild“ vorbei. Auch hier erklärt eine Legende den Ursprung:

„So gewiss aus diesem Strauch kein Blut fließt, gibt es auch keine Wunder“, war sich ein Ritter einst seiner Sache sicher. Er wurde des besseren belehrt: Als er auf einen Haselnussstrauch einhieb, zog er sein Schwert blutig zurück und fand darin eine Muttergottesfigur. Im frühen 16. Jahrhundert wurde die erste Herrnbild-Kapelle gebaut, wovon noch die Jahreszahl 1551 im Kreuz über dem Eingang zeugt. Die jetzige Kapelle stammt von 1670 und ist bis heute Ziel von Prozessionen.

Nun, mehr brauch man dazu nicht zu sagen, wir machen uns auf jeden Fall weiter und beschließen auf der „Hohe Warte“, ein Gasthaus mitten im Wald, unsere Mittagspause einzulegen. Kaum Gäste, ein paar sitzen in der Stube, einige im Freien auf den Festbänken. Wir gönnen uns zwei kühle Weizenbier (Alkoholfrei) und essen unser Brot. Die angenehme Ruhe wird auf einmal durch hunderte Radfahrer gestört. Binnen 10 min. machen 250 Biker hier Station. Durch ein kurzes Gespräch erfahren wir von der 3-Ländertour, ausgerichtet vom Bayerischen Rundfunk. Das wird uns alles viel zu laut und zu hektisch, wir packen unsere Sachen und setzen unser Tour fort.

Zunächst wieder ein schöner Trail bis zum Volkersbrunner Sportplatz, dann auf Schotter weiter zum Heimathenhof. Auch ein tolles Ausflugslokal mit gutem Essen & schöner Atmosphäre. Jetzt kommt ein Trail den wir kennen, anfangs Wiese, dann ein kleiner Pfad der schlussendlich an einer kleinen Treppe endet. Alles mit viel Spaß fahrbar! Wir sind bei Heimbuchenthal am „Höllhammer“ angelangt. So wird das Ensemble eines ehemaligen Eisenhammers genannt, das in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts aufgebaut wurde. Heute wird das einstige Eisenhammerdorf als Hofgut genutzt. Eine Besonderheit auf dem Weg zur Hölle ist eine Allee mit 51 Lärchen, die rund 180 Jahre alt sind.

Jetzt erst mal einen sehr steiler Wiesenweg nach oben, dann auf gleicher Höhe Richtung Dammbach, bis wir auf den alten Schulweg gelangen.
Über diesen „alten Schulweg“ geht es wieder mal nach oben, sogar weit nach oben. Diesen tollen Weg kennen wir, er ist zwar für Biker gesperrt, doch mit Rücksicht auf Wanderer unter der Woche dennoch eine Herausforderung. Aber nur abwärts. Teilweise ein S2-S3 Trail bergab bringt natürlich auch ein Risiko mit sich, dass die Macher des Wanderweges unterbinden wollen. Diese 300 hm wollen wir aber nicht Schieben, deswegen biken wir auf der im Wald verlaufenden Strasse dem Gipfel entgegen.

Der Dammbacher Ortsteil Oberwintersbach auf der Geißhöhe ist mit 521 Metern die höchstgelegene Siedlung des Spessarts. Und mit dem Ludwig-Keller-Turm hat der Spessartbund 1936 sogar noch eins draufgesetzt. Von seinen Zinnen aus hat man nicht nur einen sagenhaften Panoramablick bis hin zum Taunus. Auch der höchste Berg des Spessarts, der 586 Meter hohe Geiersberg, lässt sich bewundern.

Da wir ja sehr weit oben sind, kann es nur noch bergab gehen. Mit diesem Gefühl geht die Reise weiter. Wir stehen vor einem Gatter – verschlossen. Das Wanderzeichen zeigt einen Weg rechts am Gatter vorbei. Wir erkennen einen ganz kleinen Pfad, dem wir ca. 400m folgen. Auf meine GPS erkenne ich, hier waren wir schon einmal. Also mussten wir irgendwo eine Abzweigung verpasst habe. lange Rede – kurzer Sinn: Wir mussten auf einer kleinen “Leiter” über den Zaun, um in das abgesperrte Gelände zu gelangen. Hier schein wirklich das Wanderschild zu fehlen, denn nirgends ein Hinweis auf diesen Wegverlauf. Etwas weiter finden wir wieder das Zeichen – alles wird gut. Wir gelangen auf eine Anhöhe und schauen und biken nach Wildensee hinab. Wir genießen den Trail & Wiesenpfad.

Einen kleinen Tierpark passiert man am Ortseingang von Wildensee. Die Insel der Ruhe im idyllischen Aubachtal lädt zur Rast ein, bevor es zum vorletzten Mal in Richtung Main steil bergauf geht. Wir Schieben, es wird einfach zu steil bei losem Schotter. Auf den Bildern, die wir uns anschließen ansehen, kann man das überhaupt nicht erkennen, aber ihr werdet es merken, wenn ihr auch mal diese Tour abfahrt. Jetzt geht es viel auf Schotter bis nach Neunbuch sehr unspektakulär weiter. Doch dann kommt wieder mal eine tolle Wegrinne, leider sehr vermatscht und mit viel Holzresten übersäht. Dennoch macht es viel Spaß zu fahren.

Hoch über der Stadt thront die von den Schenken von Clingenburg erbaute Henneburg. Die ältesten Teile stammen aus dem 12 Jahrhundert, im 14. und 15. Jahrhundert wurde sie erweitert. Die gesamte Anlage zählt zu den schönsten Burgruinen Deutschlands. Wir umrunden diese Burg auf einem kleinen Trail, machen Bilder, genießen die Aussicht und gelangen über einen Trail, dann einer Treppe an den Endpunkt unserer Tour: Stadtprozelten.

Wir beschließen, bei dem tollen Wetter noch am Main entlang bis Miltenberg zu fahren um uns dann mit dem Zug nach Hause bringe zu lassen. Unser Tacho zeigt 101 km an, genug für heute!

Fazit

Der Spessartweg 2 ist, um es kurz zu machen, sehr anstrengend. Der Trailanteil ist in der ersten Hälfte höher, aber insgesamt verläuft der Weg wirklich wie im Titel steht: “Über Berg und Tal zum Main”. Mehr im Wald als auf großen weiten Fluren und Wiesen, stets berauf & bergab. Teilweise sogar schieben, was im Spessartweg 1 nie der Fall war. Vielleicht war auch das Wetter ein wenig schuld, aber er hat super viel Spass gemacht und es war bestimmt nicht das letzte mal, dass wir ihn unter die Stollen nehmen!

Lade dir die GPS-Daten auf der Downloadseite herunter


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